Songtexte Interpretation (Hier:Destiallat/Das Ich)

Beitragvon Maila Nurmi » 15. Jul 2011, 15:37

@asye_usu: :) "Festzelt-Musik". D'accord. Ich stell' mir grad vor, wie auf einem Schützenfest oder Oktoberfest plötzlich einer auf die Idee kommt, "Destillat" zu spielen. :D
*kicher*

@Niggels: "dadistische Vorwegnahme". Hübsch gesagt. Aber "Dada" wird mir zu oft herangezogen, wenn etwas auf gewollt schlichte Art ziemlich plakativ und damit provokativ wirkt bzw. wirken will oder soll. Eine wunderbare Renaissance des Dadismus in seiner ursprünglichen Absicht und Gestalt gab es bei Stefan Raabs "Wadde hadde dudde da" - das war für mich Dadaismus in Reinkultur. ;)
DAF ist Gründerzeit-NDW. Aber nicht Dada. Aber darüber läßt sich allerdings auch diskutieren, denn beide Kunstformen sind Konglomerate aus vielen Stilen, die erstaunlich und erfrischend anders wirkten zu einer Zeit, als man schon dachte, es könnte einen nicht mehr viel überraschen. ;)

Heutzutage ist es ja noch schwieriger geworden, auf diese extravagente Art aufzufallen... z.B. Lady Gaga - als "Gesamtkunstwerk" betrachtet - ist ja auch nur die Madonna des beginnenden 21. Jahrhunderts, und selbst sie übertreibt so sehr, dass sie sich schon fast selbst parodiert.
"Die Erwachsenen begehen eine barbarische Sünde, indem sie das Schöpfertum des Kindes durch den Raub seiner Welt zerstören, unter herangebrachtem, totem Wissensstoff ersticken und auf bestimmte, ihm fremde Ziele abrichten."(Robert Musil)
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Beitragvon Deathgrind » 15. Jul 2011, 15:47

asye_usu hat geschrieben:
Niggels hat geschrieben: DAF/DOS:

Ich glaub ich fick dich später
Ich denk das ist o.k.
Ich will jetzt lieber tanzen
Und ficke dich dann später
Ich ruf dich dann auch an
Und fick dich irgendwann

(1996)

Die dadaistische Vorwegnahme des heutigen "Hellectro" aka Tourette-Techno a la Agonoize. :D ;)

Gutes Beispiel. Delgado-López kann eben schreiben.
Diese Hellelectro-Fuzzis dagegen sind (soweit mir bekannt) einfach nur jämmerlich.
Von daher sehe ich da keinen Zusammenhang.

Also annodazumal konnten das ja bereits Die Toten Hosen, mit einem leicht sexistisch-misogynen Liedchen namens Hofgarten, das bei 14-jährigen, pubertierenden Jungs extrem beliebt war. Darüber musste man sich in seinem hormonzermarterten Kopf auch keine großartigen Gedanken machen. B)

Text:

"Rot ist Liebe,
schwarz ist das Loch.
Auch wenn es weh tut,
rein muss er doch.

Ficken, Bumsen, Blasen,
alles auf dem Rasen.

Ficken, Bumsen, Blasen,
auf dem schönen Rasen.
Und ist der Rasen nass,
macht es auch im Stehen Spaß."
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Beitragvon Sagaart » 15. Jul 2011, 16:24

...Mich würde interessieren, warum man Das Ichs Text als sprachlich schlimm empfindet? Wann wird denn ein Text zu einem guten Text?..
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Beitragvon bostich1980 » 15. Jul 2011, 16:55

Sagaart hat geschrieben:...Mich würde interessieren, warum man Das Ichs Text als sprachlich schlimm empfindet? Wann wird denn ein Text zu einem guten Text?..


Berechtigte Frage/n, Sagaart, die nach meinem Dafürhalten auf alle Ewigkeit unbeantwortet bleiben wird/werden.
Sich eines Klischees zu bedienen, muss nicht immer einen "schlechten" Text zur Folge haben.
Ich persönlich schätze z. B. Einfallsreichtum und Wortspielereien sehr. Bei den "eingeführten Nagetieren" von Rammstein habe ich mich seinerzeit beim ersten Hören weggeschmissen vor Lachen. Und DAS will erstmal gelingen bei mir! :D
<span style='color:gray'><i>Ich glaube, es ist dem Kapitalismus immanent, dass er in seiner zweiten Natur dem Menschen sprichwörtlich über den Kopf wächst. Der Mensch, der glaubt, dass er das System kontrolliert und im Griff hat, lügt sich selbst in die Tasche. Es ist das System selbst, der Moloch des Kapitalismus, der ständig nach Wachstum schreit. Und wenn er sein Wachstum nicht mehr bekommt, nach dem er schreit, dann veranstaltet er einen Krieg oder eine Krise wie gerade.</i></span> // Dieter Meier
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Beitragvon Maila Nurmi » 15. Jul 2011, 19:25

Ein guter Text ist geistreich und nicht langweilig. Auch eine Aneinanderreihung von Platitüden kann zuweilen urkomisch sein. Spätestens seit Blixa Bargeld erfogreich öffentlich Hornbach-Prospekte vorgelesen hat, wundert mich NICHTS mehr!
Die Message muss ankommen. Und dazu bedarf es eines kongenialen Zusammenwirkens von Vorgetragenem und Vortragendem. Musikalisch gesehen spielt auch noch der entsprechende Sound bzw. gar eine Melodie, bestenfalls Talent eine Rolle. Aber nicht jeder begabte Musiker ist auch gut. Eine Gitarre spielen und singen zu können macht einen noch nicht erfolgreich. Dazu gehört auch eine gewisse Nachfrage des Gebotenen.
Bei Büchern ebenso.
Manche Texte sind in meinen Augen nicht das Papier wert, auf dem sie gedruckt wurden - und finden reißenden Absatz.
Trends sind wie die Mode - um abgewandelt Oscar Wilde zu zitieren - eine so unerträgliche Zeiterscheinung, dass man sie alle sechs Monate ändern muss. Spätestens.

Was wirklich gut ist, ist zeitlos.
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Beitragvon Palene » 15. Jul 2011, 19:56

Tach, Tach!
Nu, freut mich, dass es wen interessiert. :) Ist allerdings jetzt ein bisschen viel auf einmal... plötzlich werfen alle mit Texten und Zitaten um sich... ^^ ... ohne dass man mit dem vorhergenden "fertig" gewesen wäre. Aber was solls.
Also, ich komme dann erstmal Cholets Aufforderung nach, ein bisschen was zum Dornenreich-Text zu schwafeln. Wie oben - erst Text, dann Kommentar. Obwohl - hier besser etwas vorweg.
Offensichtlich ist schon mal, dass mit Antithetik gespielt wird. Tag-Nacht. Schwarz-Glitzer/Glanz. Sonne-Mond. Vor-Zurück. Starre-Tanz. Wahrheit-Traum. Ein paar Alliterationen sind da, "Wahrheit-Winkelbild" - aber die tun, glaube ich, nicht viel zur Sache. So - nun Strophe für Strophe meine Gedanken u. Asssoziaationen.

Tag - Schwarz schaut Glitzerwucherflut,
das Zerrwerk, das nur nachtseits ruht.
Wahnsinn, den ich hier scheint's fliehe,
(nur) meines Wahnsinns letzter Schild,
(scheint) namenloser Ängste Quelle,
aller Wahrheit Winkelbild.

[Offensichtlich steht der Inhalt der Strophe unter der "Überschrift" "Tag". Gleich als erstes taucht ein personifiziertes "Schwarz" auf, das etwas wahrnimmt/erlebt (veralteter Begriff: "jmd. od. etwas schauen"). Und zwar - Neologismus, also Wortneuschöpfung - "Glitzerwucherflut". Glitzer=positiv, wuchern: Unkraut wuchert oder gar Krebs. Etwas gerät außer Kontrolle, ist zuviel, zu stark, zu intensiv. Flut: Ganz ähnlich, ist zuviel, zerstört, reißt mit und überfordert. Von dem eigentlich positven Glitzern gibt es also zuviel: Sinnesüberflutung, -überreizung? Zu laut, zu schnell, zu hell, ...? Diese Glitzerwucherflut ist im Übringen ein Zerrwerk. Verzerrte Wirklichkeit? Verzerrte Wahrnehmung? Sie ruht nur nachts, tags ist sie demnach "am Werk". Im nächsten Vers taucht das erste Mal das Wörtchen "ich" auf. Dieses "Ich" SCHEINT der Glitzerwucherflut, die offenbar wahnsinnig machen kann, zu fliehen. Warum "scheint"? Warum nicht in Wirklichkeit, also "flieht"? Insgesamt finde ich diese Stelle schwierig. Der Wahnsinn ist die Quelle namenloser (also unbeschreiblicher) Ängste. Soweit so unklar. Ich verstehe nicht, was der "letzte Schild" ist. Ist der Wahnsinn der Schild, das vor der unerträglichen (überflutenden) Realität schützt? Oder ist das Schild etwas, dass den Wahnsinn schützt? Keine Ahnung. Und dann haben wir noch "aller Wahrheit Winkelbild". Noch ein Neologismus, den ich ähnlich wie "Zerrbild" verstehe. Ein Winkelbild=ein falsches, trügerisches Bild? Ein falsches Bild von der Wahrheit? Das Problem ist, dass dem zweiten Satz im Hauptsatz ein "vernünftiges" Prädikat fehlt. (Wir haben nur "scheints" im Nebensatz und ein ein "scheint" in Klammern, dass aber alleine kein vollständiges Prädikat stellt... Also, was müsste man ergänzen? Kann man mir eigentlich halbwegs folgen? ;)]

Nacht - Schwarz schaut mäßiges Nichts,
den schweren Glanz des Mondeslichts.
Tiefe, die ich darin seh',
(nur) meiner Tiefe Spiegelbild,
(scheint) stiller Sehnsucht letzter Zeuge,
aller Leere letzter Schild.

[So. Überschrift "Nacht", also Gegenstück zu oben. Anfang analog zu Strophe 1. Schon wieder dieses personifizierte "Schwarz". Ach ja, ich habe oben ganz vergessen, zu überlegen, für wen oder was es steht, das "schwarz". Einen Anteil der Persönlichkeit des lyrischen Ichs? Eine menschliche Grunderfahrung? (Also für eben das, was man gemeinhin so mit "schwarz" verbindet? Trauer, Tod, Einsamkeit und die anderen netten Schlagworte?) Nun ja. Jedenfalls ist die Reizüberflutung und Überforderung jetzt vorbei. Dafür scheint zunächst eine gewisse Leere zu herrschen. "Nichts", das allerdings gleich darauf doch als "etwas" definiert wird: nämlich als "Glanz des Mondeslichts". Außerdem ist das Nichts nur "mäßig", was natürlich wiedersprüchlich ist, denn "nichts" ist kein dehnbarer Begriff. Entweder nichts oder eben nicht nichts. Wie dem auch sei - die überfordernde, bedrohliche Glitzerwucherflut ist ersetzt durch Mondlicht. Stelle ich mir sanft und friedlich vor. Das lyr. Ich schreibt sich selbst eine "Tiefe" zu, die es im Mondenlicht gespiegelt zu sehen meint. Diese empfundene Tiefe ist Zeuge einer stillen Sehnsucht und gleichzeitig (?) das Schild (der Schutz) der Leere. Insgesamt überwiegen hier jedenfalls "sanfte" Worte, die an romantische (im lit.wiss. Sinne) Lyrik denken lassen: Nacht, Mond, Schwere, Leere, Sehnsucht. Auch nicht uneingeschränkt positiv, aber deutlich weniger bedrohlich als die wahnsinnig machende verzerrte Wahrheit aus der 1. Strophe...]

Schwarz schaut tiefsten Lichterglanz,
Sonne - Mond, den starren Tanz,
der milde alle Wege meidet,
vor - zurück - im Abgrund schwingt,
und mir meine Träume neidet.
- Schwarz durchschaut -
- Schwarz sehnt sich sehr -

[Ohne "Überschrift". Beginn analog zu Str. 1. + 2. Diesmal schaut das "Schwarz" - für was auch immer es steht - tiefsten (Superlativ!) Lichterglanz, der einen Vers weiter als "starrer Tanz" bezeichnet wird. Vermutlich einen Tanz zwischen Sonne und Mond, die zuvor erwähnt werden. Nach den zwei "Einzelstrophen" zu Tag und Nacht hier also ein (gelungenes?) Zusammenspiel zwischen beiden. Dieser strarre Tanz meidet Wege, meidet demnach Veränderung. Dieser Bestreben setzt er aber sanft ("milde") um. Soweit klingts alles recht positiv. Allerdings findet dieser Tanz im Abgrund statt, was wiederum als latente Bedrohung aufgefasst werden könnte. Und der - hier also auch personifizierte - Tanz empfindet Neid auf die Träume des lyr. Ich. Schwer zu deuten - finde ich. Die Strophe endet mit sehr kurzen Sätzen: Schwarz durchschaut (Wen oder was?), Schwarz sehnt sich sehr... (Nach was? Nach Träumen anstelle von Realitiät? Nach dem Beenden des monotonen Tanzes zwischen Sonne und Mond? Also nach einem "echten" Nichts? Dem Ende der Zeit?)]

Hmm, nun habe ich recht auführlich vor mich in geschwafelt, zum Teil auch nur wiederholt, was da sowieso schon steht - und so richtig habe ich nach wie vor nicht das Gefühl, zu wissen, worum es geht/gehen könnte. (Klar, man hätte wahrscheinlich auch gleich "Äh, ja-ja" schreiben können und wäre auch nicht weniger weit. Aber ich habe Spaß am Schwafeln über Texte - wenn man mir die Zeit dafür lässt, was jetzt - kurz vor den Ferien endlich der Fall ist). Irgendwie geht es wohl um sehnsuchtsvolle, irgendwie unbestimmte Gefühle... irgendwie. Und Wahrnehmung von Realität.
Was meint ihr? (Außer, dass der Text eh uninterpretierbar ist? ;) ).
Und habt ihr in der Zeit, die ich zum Tippen brauchte, jetzt schon wieder 50 neue Texte reingeworfen? ;)
Und ach, ja, @Nurmi: Wegen mir müssen wir uns nicht auf deutsch Texte beschränken... aber vlt. eine Weile bei EINEM Text bleiben? Muss aber auch nicht...
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Beitragvon Mopsbacke » 15. Jul 2011, 20:11

Hier geht's ja zu wie im Deutschunterricht. *schauder* :huh:
Gegenüber befindet sich ein Zauberei-Fachgeschäft, das immer zu ist.
Einmal war es nicht zu. Ich ging hinein, drinnen stand ein Zauberer,
der sagte finster: "Ich hab' zu!"
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Beitragvon Maila Nurmi » 15. Jul 2011, 21:37

Seiende und gewesene Germanistikstudenten haben sich zusammengerottet... eine davon ist inzwischen Deutschlehrerin. Was erwartest Du? ;)
"Die Erwachsenen begehen eine barbarische Sünde, indem sie das Schöpfertum des Kindes durch den Raub seiner Welt zerstören, unter herangebrachtem, totem Wissensstoff ersticken und auf bestimmte, ihm fremde Ziele abrichten."(Robert Musil)
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Beitragvon Sagaart » 15. Jul 2011, 23:37

Yeah Deutschunterricht...

Aha. Ein guter Text ist also zeitlos. Aber ein Autor kann praktisch zur Zeit der Abfassung eines Textes noch gar nicht sagen, ob sein Text zeitlos wird, weil er ja noch nichtmal ne Zeit überdauert hat. Der Autor will dies häufig auch gar nicht.

Zum "Destillat":

Ich gebe jetzt mal keine spezifische Interpretation ab. Könnte eben sehr viele geben. Die Metaebene kann, wie bei vielen Das Ich Texten auch, sehr groß sein.
Dabei gehen einige von euch von puren Klischee-Vokabeln aus. Das Ich machen es aber eben mal nicht so, wie es so manche einschlägigen Bands machen: Sich aus dem Baukasten für düster konnotierte Gruftie-Verbaldiarrhoe bedienen..;)..

Manch einer mag vielleicht sogar Allegorien darin sehen.

Einige sehen im Destillat den Inbegriff des Bösen in der Familie, aus der Perspektive eines Kindes (dabei ist nicht das Alter gemeint, sondern der familiäre Bezug) (-> der Knabe, Kellerthematik/Kellerkind, das Schmerz gebärende Herz, das stille Lied [sehr weit interpretiert sogar anagrammatisch das "Leid"], still liegen, Unglaube, Zaudern und das Destillat selbst als Art Droge...usw...usf...)
Inwiefern sowas haltbar sein kann ist eben die Frage. Zitieren könnte man genug für eine eigene Interpretation um damit eigene Thesen zu stützen.

Sprachlich gesehen fälle ich bei das Ich schon lange keine Urteile mehr. Ich denke eher, dass es Mittel zum Zweck ist. Elliptische und syntaktisch unvollständige Phrasen abzusondern, die eher schlagwortartig in den Raum geworfen werden und teilweise eindimensional aneinandergereiht werden. Hat sich partiell als Trademark der Band herausgestellt, was besonders im "Gesang" deutlich wird, der auch eher abgehackt heraus krakelt wird.

Ob einem das zusagt oder nicht ist eine Frage der eigenen ästhetischen Perspektive. Nur ist man eben mit (Vor-)Urteilen recht schnell bei der Hand. Man sagt schnell dies oder jenes sei sprachlich schwach oder schrecklich oder Ähnliches. Ich find z.B. den NDW Kram zu großen Teilen textlich total besch...eiden..;).. Auch Niggels zitierten Text von DAF finde ich total ätzend und doof.

Wo wir bei der emotionalen Ebene wären. Das hat Maila schon angerissen. Langeweile ist so ein Parameter. Aber ab wann ist ein Text langweilig?
Wenn er nicht unterhält? Wenn er nicht fesselt? Wenn er einem keinen geistigen Zugewinn sichert? Wenn er mich nicht zum Nachdenken animiert? Wenn er mich emotional nicht anspricht?

Maila machst du gerade den Fehler "gut" und "erfolgreich" gleichzusetzen?..^^.. Ich versuche Kategorien wie gut oder schlecht zu vermeiden. Zumindest, was mein ästhetisches Empfinden angeht. Es gibt nicht nur schwarz oder weiß, sondern was dazwischen und Begriffe wie gut oder schlecht werden einfach zu inflationär verwendet.

Interpretationen sind frei, sofern man sie natürlich irgendwie am Text glaubhaft belegen kann..;).. Dem "Tod des Autors" stimme ich nur partiell zu. Ich stimme zu, dass man Texte durchaus losgelöst vor eigenen Hintergründen analysieren und rezipieren kann, darf und sollte. Aber ab und an kann ein Verständnis für die Umstände eines Autors und eines Outputs durchaus hilfreich sein um das Rezipierte zu verorten usw...

Das Ich kann man mögen. Ob nun wegen ihrer stilistischen Mittel in Musik, Texten oder Auftritten. Ich empfinde ihre Texte jetzt nicht als das Non Plus Ultra, aber sie sind doch in ihrer Art einzigartig und scheinen ja zum interpretieren und nachdenken anzuregen. Ob man den Stil jetzt mag oder nicht sei dahingestellt. Und letztlich kommt es erstmal darauf an.
Man kann sie aber auch mistig finden. Alles kann, nichts muss.
Nur bedenke man, dass Kramm und Ackermann aus der bayrischen Dorfidyllshölle stammen..:D.. So ganz kann man sie nicht auf diese ach so schöne "Blah, Blubb, Leid und Schmerz, Aua, aua schwarzes Herz" Schablone pressen. Da macht man es sich etwas zu einfach..;).. lieber Asye.

Was das Sprachliche ansich angeht: Wenn man jetzt auf Rechtschreib- oder Grammatikfehler anspielt, sollte man sich bewusst sein, dass diese Version aus dem Netz ist. Ich bin einmal tierisch auf die Kauleiste gefallen, weil ich nen Text ausm Internet analysiert habe und ihn nicht aus einem Booklet kopiert habe (die CD besaß ich damals nicht). Erstifehler sozusagen..:D.. Wenn man den mal vor sich hat (oder die Band gibt den Text auf ihrer HP an..;)..), dann kann man darüber weiter reden..:)..

Wer weiß also jetzt schon, ob das gute "Destillat" in 20, 30 oder 50 Jahren noch gehört wird und der Text vielleicht als Spiegel für einen soziologischen Blickwinkel auf eine "damals" existierende "schwarze Szene" analysiert wird? Oder er versinkt völlig in der Vergessenheit. Oder er avanciert zu irgendwas sonst?

So. zu den anderen Texten schreibe ich vielleicht morgen was..

Freut mich, das du Palene diesen Thread geöffnet hast.. schönes Thema..:)..

Liebe Grüße
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Beitragvon Grisu » 16. Jul 2011, 09:37

Palene hat geschrieben: Und ach, ja, @Nurmi: Wegen mir müssen wir uns nicht auf deutsch Texte beschränken...

Wegen mir? --> Meinetwegen! :P
Der Dativ ist dem Genitiv noch lange nicht sein Tod! :D

Das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen... ;)
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Beitragvon Sagaart » 16. Jul 2011, 11:35

Grisu hat geschrieben:
Palene hat geschrieben: Und ach, ja, @Nurmi: Wegen mir müssen wir uns nicht auf deutsch Texte beschränken...

Wegen mir? --> Meinetwegen! :P
Der Dativ ist dem Genitiv noch lange nicht sein Tod! :D

Das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen... ;)

Umgangssprachlich auch mit Dativ und wenn wir davon ausgehen, dass Forensprache, ähnlich wie Chatsprache, zu partieller Mündlichkeit gehört, dann durchaus zurecht verwendet von Palene, da wir ja hier eher in einer geselligen Runde sitzen und diskutieren, als bei einem sprach- und literaturwissenschaftlichen Kongress oder so..;).. :blink: ..;)..
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Beitragvon Maila Nurmi » 16. Jul 2011, 12:52

Sagaart hat geschrieben: Aha. Ein guter Text ist also zeitlos. Aber ein Autor kann praktisch zur Zeit der Abfassung eines Textes noch gar nicht sagen, ob sein Text zeitlos wird, weil er ja noch nichtmal ne Zeit überdauert hat. Der Autor will dies häufig auch gar nicht.
(...)

Wo wir bei der emotionalen Ebene wären. Das hat Maila schon angerissen. Langeweile ist so ein Parameter. Aber ab wann ist ein Text langweilig?
Wenn er nicht unterhält? Wenn er nicht fesselt? Wenn er einem keinen geistigen Zugewinn sichert? Wenn er mich nicht zum Nachdenken animiert? Wenn er mich emotional nicht anspricht?

Maila machst du gerade den Fehler "gut" und "erfolgreich" gleichzusetzen?..^^.. Ich versuche Kategorien wie gut oder schlecht zu vermeiden. Zumindest, was mein ästhetisches Empfinden angeht. Es gibt nicht nur schwarz oder weiß, sondern was dazwischen und Begriffe wie gut oder schlecht werden einfach zu inflationär verwendet.
(...)

Natürlich kann man nicht beim Abfassen des Textes sagen, ob er zeitlos sein wird, d.h. sich in vielen Jahrzehnten noch einer dran erinnert (an dieser Stelle sei ein Text von Arno Schmidt erwähnt. "Tina oder die Unsterblichkeit" - Arno Schmidt greift den Gedanken der Unsterblichkeit auf und machte hieraus eine amüsante Kurzgeschichte, in der ein Mensch so lange existiert, wie sein Name auf einem Blatt Papier zu finden ist. Es wird oftmals von unsterblichen Werken der Literatur geschrieben, hier werden die Konsequenzen gezeigt. Der Protagonist ist einmal mehr ein Alter Ego des Autors, der auf einen abendlichen Gang durch Darmstadt, wo die Geschichte geschrieben wurde, einen seltsamen Mann kennen lernt, der ihn einlädt, doch einmal mit in das Elysium zu begleiten. Dies ist der Ort, wo die Unsterblichen weiter existieren. Jeder Unsterbliche darf von Zeit zu Zeit einen sterblichen Autor als Besucher ins Elysium führen, um ihn die Konsequenzen seines Schaffens zu zeigen. So lange noch ein Buch oder Manuskript existiert, das auf eine reale Person verweist, so lange verbleibt die Person im Elysium. Erst mit der Vernichtung der letzten Erwähnung verschwindet die Person ins Nirwana. Die Ewigkeit kann unendlich langweilig werden.) - aber vielleicht ist es ja insgeheim der Wunsch jedes Künstlers, etwas zu schaffen, das die Zeiten überdauert und damit zeitlos wird (und damit - hier meine Refernz an "Tod des Autors" - den NAMEN des Schöpfers ebenso unsterblich macht. Ich bin der Ansicht, dass Schöpfer udn Schöpfung nicht getrennt voneinander betrachtet und interpretiert werden sollen, aber das ist ja eine andere Geschichte. Anders gesagt: Wenn Du in der Sputti einen Song hörst, der Dir gefällt, ist die erste Frage, die Du stellst "Von wem ist das?" - q.e.d.), dem kaum ein Trend etwas anhaben kann, das zwar immer wieder hinter anderen Zeiterscheinungen zurücktritt, von dem aber immer noch so viel gesprochen wird, dass es nicht vergessen wird. Zeitlose Kunstwerke sind "epochal".

Doch zurück zum Sujet. ;)

Ob ein Text langweilig ist oder nicht, das liegt im Ermessen des Lesers. Aber wenn sehr viele Leser einen Text ansprechend und unterhaltsam finden, bringt ihn das ins Gespräch. Außerdem ist es auch mitunter Ergebnis der Tagesverfassung des Lesenden, ob er jetzt konzentriert lesen kann/will oder nicht. Es ist für einen Text also gar nicht so leicht, im Bewusstsein eines Rezipienten vor Anker zu gehen. Da hat es die Musik leichter... die wird einfach so gehört, man muss sich nicht großartig konzentrieren, die geht *flupp* ins Ohr - und selbst mit einem Text unterlegt, der völlig Banane ist, kann Musik noch wirken. Und sie ist somit Katalysator des gleichsam "parasitären" Textes, sodass dieser ebeso im Bewußsein des Rezipienten vor Anker geht. Ansprechnde Verpackung, blödsinniger Inhalt oder sogar komplette Inhaltslosigkeit und Sinnfreiheit. Aber - mal ehrlich - das ist doch etwas, worauf die Menschen schon seit Äonen gern mal hereinfallen. ;)

Ich mache ganz bestimmt nicht den Fehler, "gut" und "erfolgreich" gleichzusetzen. Denn wie oben beschrieben, ist oftmals das Erfolgreiche für den, der etwas genauer hinsieht und hinhört - also ein kritisches Bewußtsein hat und nicht alles absorbiert, was kommt, sondern die Reize gefiltert aufnimmt, gesegnet mit einem gewissen Hang zum Nonkonformismus - mitnichten gut.
Wie Du bereits richtig sagtest, Sagaart - es gibt so unendlich viele Grauabstufungen zwischen schwarz und weiß - ist es etwas zu einfach, sich nur für gut oder schlecht zu entscheiden.

*ächz*
And now to something completely different... ich muss hier mal wieder was tun!!! :unsure:
"Die Erwachsenen begehen eine barbarische Sünde, indem sie das Schöpfertum des Kindes durch den Raub seiner Welt zerstören, unter herangebrachtem, totem Wissensstoff ersticken und auf bestimmte, ihm fremde Ziele abrichten."(Robert Musil)
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Beitragvon Grisu » 17. Jul 2011, 12:19

Sagaart hat geschrieben:
Grisu hat geschrieben:
Palene hat geschrieben: Und ach, ja, @Nurmi: Wegen mir müssen wir uns nicht auf deutsch Texte beschränken...

Wegen mir? --> Meinetwegen! :P
Der Dativ ist dem Genitiv noch lange nicht sein Tod! :D

Das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen... ;)

Umgangssprachlich auch mit Dativ und wenn wir davon ausgehen, dass Forensprache, ähnlich wie Chatsprache, zu partieller Mündlichkeit gehört, dann durchaus zurecht verwendet von Palene, da wir ja hier eher in einer geselligen Runde sitzen und diskutieren, als bei einem sprach- und literaturwissenschaftlichen Kongress oder so..;).. :blink: ..;)..

@Sagaart: War ja von meiner Seite aus auch nicht bierernst gemeint. Allerdings konnte ich mir das nach Mailas Aussage ("Seiende und gewesene Germanistikstudenten haben sich zusammengerottet... eine davon ist inzwischen Deutschlehrerin. Was erwartest Du?") einfach nicht verkneifen, denn die Verwendung des Genitivs ist definitiv besseres Deutsch. ;)
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Beitragvon Palene » 18. Jul 2011, 05:32

Nur ganz schnell:
@Sagaart: Danke für die Rettung meiner Ehre. ;)
@Grisu: Natürlich würden mich nieeeemals sprachliche Fehler unterlaufen! ;)
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Beitragvon Grisu » 18. Jul 2011, 09:53

Palene hat geschrieben: @Grisu: Natürlich würden mich nieeeemals sprachliche Fehler unterlaufen! ;)

Mich natürlich auch niemals-nicht! :D
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